Vogelschau

Vogelschau
Der Feuervogel von Pontiac pflegt die Traditon des starken Amerikaners seit den sechziger Jahren. Auch in der nunmehr vierten Generation bleibt GM-Sportwagen seinem Macho-Image treu.

Ein Firebird mit rauchenden Reifen, am Steuer ein grinsender Burt Reynolds auf der Flucht vor Sheriff Justice - das sind so die Road Movie-Szenen ("Ein ausgekochtes Schlitzohr"), die dem Pontiac-Sportwagen auf den muskelösen Leib geschnitten sind.

Hier ein interessanter Artikel aus der AMS
Die Befürchtungen amerikanischer Fan-Blätter, der seit 1967 vierte Firebird könnte zu einem frontgetriebenen Schlappschwanz mutieren, haben sich nicht bestätigt. Und es hat sich auch nichts geändert an der Tatsache, daß der starke Trans Am fürs Image sorgt, während die Käufer die schwächere Sechszylinderversion bevorzugen.
Für 48.950 DM, den Preis eines üppig ausgestatteten OPEL Calibra also, gibt es da tatsächlich eine Menge Auto, fast fünf Meter lang und so breit wie eine S-Klasse von Mercedes. Das Ganze gegossen in eine aggressive Form, die raumökonomische Gesichtspunkte vollständig dem Show-Effekt unterordnet. Der Firebird ist nur zur Not ein Viersitzer, sein Kofferraum hat kaum mehr als Golf-Format. Wer sich daran stört, daß er extrem unübersichtlich ist und mit seinem gewaltigen Wendekreis (12,7 Meter) auch ziemlich unhandlich, ist nicht der richtige Kunde einer Marke, die den Namen eines historischen Indianerhäuplings trägt. Auch daß die Verarbeitung der Karosserie so lässig wirkt wie ein gummikauender Cowboy, darf keine Rolle spielen. "We build excitement", heißt der Pontiac-Slogan, und nur darauf kommt es an. Den Spaß am dumpf bollernden Ami bietet sogar der Sechszylinder, der sich im unteren Drehzahlbereich mit Erfolg bemüht, die Aussprache eines klassischen US-V8 nachzuahmen.

Ein Sportwagen ist der V6-Firebird natürlich nicht, das zeigen schon die bescheidenen Fahrleistungen. Der Sechszylinder bildet zusammen mit der weich schaltenden Viergangautomatik eine biedere Antriebseinheit, die gemacht ist für ein gemütliches Cruisen im amerikanischen Stil. Dafür spricht auch die ellenlange Übersetzung der vierten Fahrstufe, die den Motor selbst bei Höchstgeschwindigkeit (207 Km/h) nur auf knapp 3900/min. kommen läßt. Wer das Walten dieses Öko-Gangs nicht durch häufigen Kickdown unterbricht, kann deshalb mit akzeptablen Verbrauchswerten zwischen e11 und 12 Liter pro 100 Kilometer auskommen. Sportlich getrieben entwickelt der Pontiac allerdings unfeine Trinksitten und schluckt dann gut 18 Liter/100 Kilometer. Aber die kosten in den USA so viel wie sechs Liter an deutschen Zapfsäulen.
Das sich die Amerikaner in der Effizienz ihrer Autoproduktion inzwischen japanischen Maßstäben nähren, dürfte sich herumgesprochen haben. Aber wenn ein so großes und zudem reichhaltig ausgestattetes Auto wie der Firebird zu einem attraktiven Preis angeboten werden soll, bleibt auch General Motors nur der Weg über simpelste Technik. Der brave Stoßstangen-V6 ist dafür ebenso ein Beispiel wie die Konstruktion des Fahrwerks.
Der Pontiac gehört deshalb zu der aussterbenden Spezies klassischer Amerikaner, die noch eine starre Hinterachse mit sich herumtragen, immerhin einigermaßen exakt geführt an Längslenkern und einem sogenannten Panhard-Stab, der Querkräfte aufnimmt. Auch damit ist ein akzeptables Fahrverhalten zu erzielen. Einfaches Rezept: breite Reifen, straffe Federn und Stoßdämpfer.

Das funktioniert gut, solange die Straße eben ist. Da erreicht der Pontiac beachtliche Kurvengeschwindigkeiten bei einem narrensicheren, leicht untersteuernden Eigenlenkverhalten. Nur Bodenwellen mag er nicht. Sie lassen seine Karosserie erzittern und verhelfen der schweren Starrachse zu einem munteren Eigenleben.
Auch die Lenkung, die mit ihrer direkten Übersetzung den Firebird etwas eckig reagieren läßt, ohne einen wirklich exakten Fahrbahnkontakt zu bieten, animiert nicht gerade zum Schnellfahren unter solchen Bedingungen.
Eine ernsthafte Beeinträchtigung der Fahrsicherheit muß man darin nicht sehen, der Pontiac enthüllt damit nur sein eigentliches Wesen: burschikos, ruppig - immer noch deutlich entfernt eben von der geschliffenen Finesse guter europäischer Fahrwerkskonstruktionen. Aber in sicherheitsrelevanten Details wie den Bremsen haben die Amerikaner zweifellos einen beachtlichen Sprung nach vorn gemacht.
Serienmäßig mit ABS ausgerüstet, verzögert der Firebird spurtreu und zuverlässig. Selbst die extreme Beanspruchung durch den auto motor und sport Bremszyklus (zehn Vollbremsungen aus 100 Km/h mit voller Zuladung) beeindrucken die vier großdimensionierten Scheibenbremsen nicht - die Verzögerung bleibt mit 9,6 m/s2 auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau.

Allein der Komfort bleibt bei der primitiven Fahrwerks-Konstruktion auf der Strecke. Die Federung erzielt nur einen bescheidenen Erfolg in ihrem Bemühen, Fahrbahnstöße von den Insassen fernzuhalten. Der Fahrkomfort beschränkt sich auf das, was die Amerikaner für wichtig halten: leichtgängige Bedienung und perfekt funktionierende Klimaanlage, die der Aufheizung des Cockpits wirksam begegnet.
So ist der Pontiac, viele werden es begrüßen, sich treu geblieben: ein Show-Objekt, nach dem sich die Köpfe herumdrehen, das aber seinem Fahrer jegliche Starallüren erspart. Denn nichts schätzen die Amerikaner mehr als problemlose Fortbewegung. Eine dreijährige Garantie spricht dafür, daß man damit auch beim Firebird rechnen kann.

Die wilde Sorte: Firebird Trans Am

Ein Tritt aufs Gas, und blauer Rauch steigt aus den Radkästen. Als Trans Am wird der Firebird zu heißesten Sache, sie Pontiac auf die Räder stellt. Kein Wunder: Unter der Haube ballert jener 5,7 Liter große V8, der auch in der Corvette von Chevrolet zu finden ist und im Pontiac eine Leistung von 273 PS bereitstellt. Selbst mit Automatik - ein manuell geschaltetes Sechsganggetriebe ist ebenfalls lieferbar - reißt dieses Großkolbentriebwerk den Trans Am in die exclusiven Gefilde renommierter Sportwagen: 7,3 Sekunden von null auf 100 Km/h, Höchstgeschwindigkeit 239 Km/h. Und weil dazu kaum ernsthafte Drehzahlen benötigt werden (Höchstleistung bei 4800/min.), bedeutet der auch akustisch höchst eindrucksvolle Dampf noch nicht einmal ein böses Erwachen an der Tankstelle. Selten wirklich gefordert, verbraucht der V8 sogar weniger als der Sechszylinder. Im Testdurchschnitt waren es 14,6 L/100 Km, das spricht dafür, daß der konstruktive alte Stoßstangen-V8 durchaus noch auf der Höhe der Zeit ist. Als Trans Am wird der Firebird zur klassischen Muskelmaschine. Sein Fahrwerk ist ein klarer Härtefall, allein die Leistung steht im Vordergrund. Wer Pontiac pur genießen möchte muß allerdings tief in die Tasche greifen: Mit 65.900 DM ist der Trans AM fast 20.000 DM teurer als das Basismodell.


Von: Auto Motor Sport
Götz Leyrer

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