Station rulez

Station rulez
Cruisiger gehts nimmer.
Wie in meinem Beitrag zu meinen Pontiacs bereits geschrieben, habe ich von August 2003 bis Februar 2004 in den USA, im Südwesten des Bundesstaats Texas, zur Grenze New Mexicos, gewohnt. In dieser Zeit fuhr ich, neben meinem blauen Pontiac Firebird, mit zwei weiteren Deutschen einen Pontiac Parisienne Safari.

Uns war klar, daß es für das halbe Jahr Quatsch wäre, ein teures Auto zu kaufen. Daher setzten wir uns als Obergrenze rund $ 1200 und fuhren mit einem Mietwagen die verschiedenen Gebrauchtwagenhändler an. Anfangs recht zuversichtlich, wurde uns recht schnell klar, daß es gar nicht so einfach war, mit deutschen Maßstäben in Amerika einen billigen Gebrauchtwagen zu kaufen. Meist waren die Autos innen staubiger als außen, oder die Vorbesitzer dieser Fahrzeuge hatten andere Ansichten was Sauberkeit betrifft, als wir. Nicht falsch verstehen, es gab sehr viele Autos für dieses Geld! Es waren auch einige kultige Cadillacs dabei, die man in US - Serien oft als die Autos der Halunken sehen kann. Jedoch sahen diese Autos eben so oft auch aus, als würden sie von Halunken gefahren. Kurzum, wir waren bei 40° beinah den ganzen Tag unterwegs - von Pontius zu Pilatus, aber wir wurden einfach nicht fündig. Kurz bevor wir den Tag nun Tag sein lassen wollten, sahen wir auf der anderen Straßenseite einen Händler, auf dessen Platz einige "saubere" Autos standen!

Obwohl wir annahmen, daß diese Fahrzeuge dann auch unseren finanziellen Rahmen auslachen würden, sind wir über die Straße gegangen und wir schöpften neuen Mut: Da stand ein Pontiac Parisienne Safari, der für $ 900 zu haben war!! Was ist ein Pontiac Parisienne Safari!? Nun, der Pontiac Parisienne ist das Gegenstück zum Chevrolet Caprice, als Safari werden die Kombis bezeichnet. In Amerika sind das die sog. "Station Wagons", weshalb wir ihn später einfach nur den "Station" nannten. Nun aber zurück zum Kauf. Das Auto war sehr sauber, sowohl innen als auch außen. Der Händler kam zögerlich auf uns zu - anscheinend machten wir drei einen wengerl komischen Eindruck, zudem wir in der mexikanisch - dominierten Gegend natürlich heraus stachen - und es stellte sich heraus, daß er kein englisches Wort sprach... Super, jetzt hatten wir ein super Auto in Aussicht und der Händler konnte uns nicht verstehen. Ich hab dann meine wenigen spanischen Brocken in den Gehirnwinkeln zusammengesucht und wir haben ihm versucht zu erklären, daß wir Interesse an dem Wagen hätten. Das Auto sah auch unter der Haube recht gut aus und es sprang gleich an. Kurze Zeit später hatte der Station drei neue Fahrer. :o)

Auf irgendwelchen verschlungenen Pfaden, ich möchte gottlob NICHT wissen, auf welchen, bekamen wir unseren Safety sticker (vergleichbar mit dem TÜV), ohne daß sich jemand das Auto angesehen hat. Danach den Luftfilter gewechselt, die Reifen aufgepumpt und etwas WD40 auf die beweglichen Teile und los gings! Bis auf eine kleine Panne, die weiter unten beschrieben wird, hat er auch die 6 Monate wacker durchgehalten!

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Mit diesem Station haben wir jedoch keinen großen Roadtrip über viele Meilen gemacht, denn auch wenn das Auto seinen Straßenbetrieb beinah einwandfrei gemacht hat, wollten wir dennoch nicht das Risiko eingehen, irgendwo in der Wüste liegen zu bleiben. Dennoch waren die Roadtrips in der Stadt schon ein Erlebnis für sich. Wir konnten zu dritt nebeneinander vorne sitzen, da der Ganghebel hinterm Lenkrad war, oder man konnte es sich in der dritten Reihe, quasi im Kofferraum bequem machen, egal wo und in welcher Position, man fühlte sich wie auf dem Sofa; dann die Fenster geöffnet und den Oldiesender im Radio, da konnte man die Seele baumeln lassen. Hier ein Foto, das ich auf dem Highway aus dem Kofferraum raus gemacht habe:

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Man beachte das heruntergelassene Heckfenster. :o)

Hier nun ein Panoramabild des Armaturenbretts des "Station". Nicht schwer, sich vorzustellen, wie chillig es da drin war.

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Wie oben bereits geschrieben, hat er uns das halbe Jahr über beinah zuverlässig begleitet. Richtig, beinah. Bei 42 Grad am Nachmittag (wir hatten kein Fieber! ;o) ) meinte der Kühler "I mog nimmer" und nach kurzem lastwagenähnlichen Bumbern stieg eine große Dampfwolke aus den Seiten der Motorhaube. Glücklicherweise kurz vor unserer Apartmentsiedlung, aber dummerweise mitten auf der Kreuzung... Zum Glück wiederum fuhr hinter uns ein Mann mit der Figur eines Footballspielers, der uns half, das Auto von der Kreuzung runter auf einen nahen Supermarktparkplatz zu schieben. Einfach von sich aus!! Wir bedankten uns herzlich, er wollte keine Entschädigung und so ließen wir den Station erstmal auf dem Parkplatz stehen und liefen die restlichen Meter zu unseren Apartments.

Am gleichen Abend bei warmer Sonnenuntergangsstimmung, die dort eigentlich täglich vorhanden ist, sind wir wieder zum Station gegangen und starteten ihn aus Neugierde ...... er sprang einwandfrei an!! Das genügte uns, am nächsten Tag kauften wir bei "Checker Parts" oder einem der ähnlich klingenden Autozubehörläden einen passenden "Radiator" und bauten ihn ein. Hier ein Bastelbild.

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Den Rest der Zeit über lief er ohne weitere Probleme!!! :o)

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