Wilder Westen Inklusive (Teil 3)

Wilder Westen Inklusive (Teil 3)
Last but not least nun der dritte Teil meiner Neujahrestour 2003 - 2004!
Willkommen beim dritten Teil meines Berichtes über meine Neujahrestour 2003 - 2004. Der Teil zwei endete an den Pazifikstränden und Jachthäfen. Jetzt, es ist immer noch der 30.12.2003, fahren wir gemeinsam nach Las Vegas. Angeschnallt? Dann kanns ja losgehen!

Zuerst hieß es jedoch, ein letztes Mal Los Angeles zu durchqueren. Ohne Witz: Von Manhattan Beach bis zum Highwaykreuz I10 / I15 (die I15 führt von LA durch die Mojave Wüste nach Las Vegas), sind es gut 97 - 100 km!!! Eine Stunde Fahrzeit bei gutem Verkehr und man ist immer noch in Los Angeles...

Hier nun einige Eindrücke von der I15 von LA durch die Wüste nach Nevada und dort nach Las Vegas!
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Nach Bakersfield bitte rechts abfahren. Wir bleiben aber auf der I15.

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Eigentlich eine Mondlandschaft und doch irgendwie fesselnd.

Jetzt kommt etwas, was ich nie für möglich gehalten hätte. Es gibt sogar in der Wüste einen Stau. Dieser Stau reicht dann mal eben bis zum Horizont. Nicht möglich? Unten ist es zu sehen:
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Lichter bis zum Rand der Erdscheibe...

Auf einmal löste sich der Stau auch auf und ich war im Dunkel der Nacht wieder auf der Fahrt. Wie auf dem Staubild zu sehen ist, war es "heiter bis wolkig". So blieb es auch, als die Sonne untergegangen ist. Langsam sah man den Himmel über den Bergen am Horizont wieder heller werden. Irgend eine große Fläche mußte die Wolken von unten bestrahlen. Dies wurde richtig spannend, denn hinter diesen Bergen kam eine weitere Ebene, aber noch keine große beleuchtete Fläche, lediglich der Helligkeitsschein in den Wolken wurde nach und nach stärker. Gegen halb acht kam ich an die Staatengrenze zu Nevada und die erste Tankstelle hinter der Grenze machte es nur zu deutlich, daß man in der Nähe einer großen Spielerstadt war. Es fehlte nur noch der Griff der einarmigen Banditen an den Zapfsäulen. Die gesamte Ortschaft ("Primm", eher eine Ansammlung von Geschäften, bzw. "Outlet stores") war im Glücksspielstil erbaut. Kurze Zeit später sah man in den Wolken eine art "Beamlicht", das - der Las Vegas - Kundige kann es sich schon denken - vom Luxor in Las Vegas stammen mußte. So war es auch: wieder eine schmale Hügelgegend durchgefahren, danach machte sich das Lichtermeer von Las Vegas breit!! Sagenhaft und atemberaubend. So richtig bemerkenswert an Las Vegas ist jedoch, daß die Hotels sich alle entlang eines, maximal zweier parallel verlaufender Straßenzüge entlang ziehen. Der Rest der Stadt ist ähnlich wie andere amerikanische Wüstengroßstädte auch: staubig und recht unauffällig. Ich bin die I15 weitergefahren, bis die Hochhäuser der Hotelanlagen nur noch die nächste Ausfahrt entfernt lagen. In dieser Nacht waren die Hotelzimmer entweder alle ausgebucht, oder sie kosteten so öhm 500 Dollar aufwärts. Welcher crazy German guckt schon einen Tag vor Sylvester, ob es in Las Vegas noch ein freies Hotelzimmer gibt. Ich bin dann eine Seitenstraße hinterhalb des Tropicana in ein Motel und war somit nur 100 m vom MGM entfernt. Hier ein beschriftetes Bild:

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Ich war also erneut nicht weit von den Reichen und Schönen!

Ich habe erstmal mein Auto geparkt, mein Hotelzimmer bezogen, welches ich noch für 65 Dollar bekam. Eine Stunde später, als ich fertig war mit dem Verladen meiner Sachen und ein wenig frisch machen, hörte ich, wie jemand ein Zimmer auf meiner Etage buchte und dafür bereits 75 Dollar zahlen musste... Angebot und Nachfrage...

Ich hab innerlich den Kopf geschüttelt und war froh, daß ich eine Stunde zuvor gebucht habe, nahm meine Videokamera und drehte, was auf dem Las Vegas Blvd so abging. Hier nun einige Fotos:

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Das New York New York, ein Hotel mit einer eigenen Achterbahn...

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Auch in Las Vegas müssen die Leute einmal in eine Apotheke. So sieht eine Apotheke in Las Vegas aus...

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Ich wurde von einigen Leuten gefragt, wieviel Geld ich denn in Las Vegas verspielt hätte. Die Antwort lautet, daß ich gar nicht gespielt habe. Ich war viel zu sehr davon überwältigt, wie es draußen aussieht, die Lichter und die Stimmung auf der Straße mitten im Winter hat mich so gefesselt, daß ich gar keine Ambitionen hatte, mich vor an Automaten zu stellen. So hab ich mir sicher auch etwas Geld gespart. ;o)

Am folgenden Tag, also dem 31.12.2003, war ich erst einmal verblüfft, wie langweilig Las Vegas tagsüber aussieht. Ich bin mit meinem Chevy Cavalier ein wenig in Las Vegas rumgecruised und sah auf der Karte, daß der Hover Dam gar nicht weit weg war, drum bin ich auf in Richtung Lake Mead. Auf dem Weg dorthin kam ich durch Henderson und sah im Rückspiegel beinah gesamt Las Vegas, zumindest die Hotelmeile, da Henderson etwas höher liegt, als das Plateau, auf dem sich Las Vegas befindet. Am Hover Dam konnte ich eine Führung mitmachen, bei der u.a. erklärt wurde, daß der Hover Dam, in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts errichtet, nicht Las Vegas mit Strom versorgt, wie man meinen könnte, sondern Kalifornien mit Strom beliefert.

An diesem Tag hatte ich zwei Erlebnisse, die für die Höflichkeit der Amerikaner sprachen. Das erste Erlebnis war direkt in einem Souvenirladen am Hover Dam, in dem ich merkte, daß ich meine Kamera in der Kameratasche an gelassen hatte. Der Akku war auch schon fast leer. Die freundliche Verkäuferin in dem Geschäft machte keinerlei Umstände und lies mich den Akku in ihrem Laden ein wenig aufladen. Hier nun einige Bilder vom Hover Dam.

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Hier stehe ich auf dem Damm und blicke den Colorado hinab grob in Richtung Süden. Ich stehe zugleich auf einer Zeitengrenze. "Rechts", also der westliche Rand der Schlucht (Nevada) ist Pazifik Zeit, also Deutschland - 9 Stunden, "links", oder der östliche Rand (Arizona) ist Mountain Zeit, also Deutschland - 8 Stunden.

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Nach Besuch des Hover Dams und Einpacken meiner Kamera bin ich wieder nach Las Vegas und habe mir im dortigen Hard Rock Café das obligatorische Hard Rock Café T-Shirt geholt!! Zu der Zeit fingen jedoch die Behörden an, die gesamte Innenstadt für den Autoverkehr abzusperren, auch den Bereich meines Motels (in dem das Zimmer in dieser Nacht 90 Dollar gekostet hätte).

So erinnerte ich mich daran, daß Henderson ja etwas höher lag und ich somit ein Feuerwerk filmen konnte, bei dem alle Einwohner Las Vegas´ das Feuerwerk abbrennen würden. Nach einem Burgerking - Abendessen (das weiß ich noch! ;o) ) bin ich auf nach Henderson. Henderson ist im Vergleich zu Las Vegas eine richtig malerische Kleinstadt, in der ich auch recht schnell ein Motel gefunden habe. Dort fragte ich nach dem Preis eines Zimmers: 105 Dollar. Das konnte doch nicht wahr sein!! Ich fragte die Dame, eine Bilderbuchamerikanerin, etwa Mitte sechzig mit weißgrauen, hochgesteckten Haaren, die wollsockenstrickend hinter der Anmeldung saß, ob es auch möglich sei, die Zimmer stundenweise zu bekommen. Natürlich war das nicht möglich. Dann fragte ich in meiner Verzweiflung, ob es gestattet sei, daß ich auf dem Parkplatz im Auto einige Stunden schlafen könnte, bis zum Jahreswechsel, da ich danach sofort weiterfahren wollte. Ich erwartete, daß sie mich hochkant rausschmeissen würde, aber nichts dergleichen. Sie sagte, es wäre selbstverständlich möglich, ich sollte darauf achten, daß das Auto verriegelt sei und sie fragte, ob ich etwas Wegzehrung benötigte. Ich war sprachlos und bedankte mich vielmals, jedoch benötigte ich ihre Wegzehrung nicht, da ich genügend Proviant, nicht nur Süßigkeiten, im Auto hatte. Dies war das zweite Erlebnis, das für die Höflichkeit der amerikanischen Bevölkerung spricht! Ich möchte nicht wissen, was mir in Deutschland in solch einer Situation passiert wäre.

Was aber wiederum in Deutschland wesentlich besser ist, war das Feuerwerk! Ich hatte mich auf ein Millionenfeuerwerk gefreut, aber statt dessen gab es lediglich auf der Hotelmeile etwas "Gespratzel", aber der Rest von Las Vegas schien nicht mitzubekommen, daß es mittlerweile 2004 war. Mit mir auf dem Parkplatz war die Nachtschicht des Motels, eine Frau von mitte vierzig, die die alte Dame ablöste. Sie meinte, daß es in Nevada sogar verboten sei, privat ein Feuerwerk zu entzünden. Der einzige Tag, an dem die "Amis" ein großes Feuerwerk machten, sei der 4. Juli. Den Jahreswechsel feiern sie zwar auch, aber lediglich im kleinen Umfang.

Nach diesem spärlichen Feuerwerk habe ich mich dann ins Dunkel der Nacht aufgemacht und bin wieder in Richtung "Heimat". (Irgendwo ist dies noch heute meine "Heimat"...) Dabei kam ich an einem der älteren Spielhotels dieser Gegend vorbei, einem Hotel, welches noch aus den 30er Jahren stammt. Hier ein Bild:
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Es braucht nicht viel Vorstellungskraft, sich dort nun 40er Jahre - Autos vorzustellen, denen eine Rita Hayworth mit wehendem Haar oder ein Fred Astaire entsteigen.

Unzählige CD - Spielzeiten oder 14 Stunden (vierzehn Stunden!!!) später bin ich, ähnlich wie bei unserer "Ochsentour", als alter Mann daheim angekommen. Diesen Anblick habe ich bewusst nicht aus dem Video kopiert. ;o) Danach sahen mich nur noch die Dusche, sowie mein Bett.

Wie schon zu Beginn des ersten Teiles des Berichtes war diese Tour, vom 27.12.2003 bis zum 1.1.2004 die schönste Reise und ich möchte auch behaupten, die schönsten Tage meines Lebens. Ich übertreibe kein bisschen, wenn ich dies so sage. Es würde mich freuen, wenn vielleicht ein wenig des Charmes der Gegend und der Gefühle, die ich dabei hatte, rüber kamen und dies den einen oder anderen Leser dazu animieren würde, eine ähnliche Tour zu machen. Ich wünsche schon jetzt viel Spaß dabei! Daß dies unvergesslicht wird, wage ich beinah schon zu garantieren.

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