22 Zylinder

...oder meine bisherige "Ami - Historie"....
Dieser vielleicht irreführende Titel soll nicht sagen, daß sich in meinem Besitz ein solch großer Motor befunden hat, wobei das irgendwie doch stimmt, läßt man mal den Faktor Zeit außer Acht. Ich hatte das Vergnügen, bereits einen V8, einen V6 und nun wieder einen V8 zu pilotieren. Die nächsten Zeilen sollen meine drei Boliden vorstellen und erzählen, wie mich das "US - Car - Fieber", insbesondere zu den Autos der "F-Body" - Reihe, gepackt hat. Viel Spaß beim Lesen.

Wie sicher viele Firebird- und TransAM - Fahrer, war auch ich Fan vom „ausgekochten Schlitzohr“, den wir Kinder früher am Tag nachdem er im Fernsehn lief, auf unsern Fahrrädern nachgespielt hatten, sowie vom Kitt, denn solch ein Kumpel wäre schon praktisch gewesen und noch dazu hätte er super ausgesehen. Es war 1989, bzw. ich war 10, als ich ihn dann das erste Mal auf dem Parkplatz sah.... Ein silberner Firebird!!! (Bj so um 1987 oder 1988) Ich wär fast vom Fahrrad gefallen, weil ich überglücklich war, solch eine Erscheinung leibhaftig vor mir zu sehen!! Ich bin dann mit meinem BMX nochmal schnell nach Hause gestrampelt, hab einen Foto geholt und u.a. dieses Foto geschossen:

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Nun, von da ab wollte ich unbedingt irgendwann solch ein Auto haben...


...14 Jahre zogen ins Land, es war 2003, als ich für ein halbes Jahr in den USA gewohnt hab. Anfangs hab ich mir für günstiges Geld mit zwei weiteren Deutschen einen 1987er Pontiac Parisienne Safari, wir nannten ihn kurz den „Station“, gekauft, um für die 6 Monate mobil zu sein. Da isser:
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Station rulezz!!!

Dieser Station hielt auch die 6 Monate zuverlässig durch und der Cruisingfaktor war auch gegeben, v.a. wenn man zu dritt vorne nebeneinander saß, oder sich quer über die Bank im Kofferraum lümmelte und bei offenem Fenster und warmem Wind den Oldiesender im Radio hatte. Ich muß dabei vor allem immer daran denken, wie wir am Samstag mit dem "Station" zum Footballspiel der örtlichen University geblubbert sind und davor bei der Burger - Kette "Sonic" Halt gemacht haben, bei dem die Burger mit Inlinke Skates ans Auto gebracht wurden. Dabei lief der örtliche Oldiesender mit 60s Music! Da hat einfach alles zusammengepasst!


Etwas später ergab sich die Erfüllung meiner Träume von damals auf dem Fahrrad: Eines Tages saß ich im „Whataburger“ und aß gerade meinen „Double – Meat – Whataburger with Cheese and Jalapenoes“, trank eine Dr. Pepper und laß die Kfz – Inserate der Lokalzeitung, als mir vor Schreck der Bissen im Hals stecken blieb. Da wurde ein 87er Firebird für 1300 Bucks angeboten... Ich hab den Burger runtergeschlungen, die Zeitungsseite rausgerissen (macht man eigentlich nicht, ich weiß....) und bin nach Hause gerast. Der Anruf bei dem Verkäufer gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht, denn er sprach ein „sehr intensives“ Texanisch. Nach zwanzig Mal nachfragen, wo genau er denn nun wohnte, hab ich eine Uhrzeit mit ihm ausgemacht. Bevor ich zu ihm losfuhr, hatte ich meine Nachbarin noch gebeten, ob sie denn zu „Dolmetschzwecken“ mitfahren würde, was sie auch gemacht hat. Dort angekommen, war ich mit einem Mal nicht mehr verhandlungsfähig...
Der Verkäufer selbst war schon ein amüsantes Unikat. Er schlürfte in Flipflops aus seiner Eingangstüre mit einem Kaffee in einem Tuppergefäß, einem Feinrippunterhemd, welches er nicht den ersten Tag trug, einer Bermuda, die auch schon etwas länger nicht gewaschen wurde... Aber das war mir egal. Da in der Auffahrt stand ein Firebird!!!! Ich schwebte voller Ehrfurcht um das Objekt meiner Sehnsucht und drehte mit zitternden Händen den Zündschlüssel... Erste Stellung, zweite Stellung, kleiner Widerstand und dann: der Sound... Die Probefahrt!!! Ich befand mich im siebten Himmel!!! Meine damalige Nachbarin nahm den Verkäufer danach zur Seite und erzählte ihm die Story vom Pferd: Wir würden demnächst heiraten und da sei das Geld ohnehin knapper usw... Ich bin ganz schnell wieder zum Firebird und hab mich dahinter versteckt, denn mich hätte es sonst verrissen vor Lachen... Sie hatte Erfolg und ich den Firebird für 1200! MEIN Firebird!!!

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Es war ein 87er Firebird (mit 86er Heckklappe?) mit einem Vergaser – Motor, ähnlich wie auch der Motor unsres "Station", wobei der "Station" wesentlich...hm...gemütlicher war.


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V35-HKB.... Das Kennzeichen werde ich nie vergessen.... :o)

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Zugegeben, "mein Blauer" war nicht in einem überragenden Zustand: Er wurde irgendwann einmal blau überlackiert (und gleich die vorderen Pralldämpfer mit..), die Motorhaube war wengerl verbogen und viele andere kleine Sachen waren daran. Jedoch war mir das egal. Es war MEIN Firebird und das Gefühl, wenn ich mit ihm über den Highway in den warmen Wüsten - Sonnenuntergang geblubbert bin, war überwältigend, herzerweichend traumhaft, zum Davonschweben, kurz: einfach unbeschreiblich schön!!!

Wie oben bereits geschrieben, hatte er den 5.0l - Vergaser - Motor mit 230.000 Meilen auf dem Tacho!! (Das sind rund 368000 km!!!) Ich hatte jedoch zu keinem Punkt Probleme mit dem Wagen!!! Eine Überführung nach Deutschland stand jedoch aufgrund der Kosten und des dennoch nicht Top – Zustandes des Autos außer Frage. Wir hatten in den 6 Monaten 4 Tage Regen dort und am 3. Tag fing es in dem Auto etwas an zu riechen, weshalb ich mir nicht ausmalen wollte, wie rasch er mir in Deutschland weggammeln würde... Vernunft hat gesiegt.



Zurück in Deutschland hatte ich das Thema Firebird fürs Erste wieder beiseite gelegt, denn „meinen Blauen“ gab es ohnehin kein zweites Mal und obwohl ich ab und an die Internetkaufbörsen nach diesen Autos durchsah, tat sich nichts interessantes auf. Bis... Ja, bis ich etwas über ein halbes Jahr später zufällig bei einem Händler einen schwarzen Firebird stehen sah... Zuerst bin ich nur vorbei gefahren und dachte mir: „Hm... So einen hast auch mal gehabt....“ Als er zwei Wochen später immer noch da stand, hielt ich an. Er hatte leider die „Schnabel – Front“, die mir nicht so gefällt, aber der Preis war verlockend und meine Finanzen sagten, „Hey, das geht“! Kurz darauf hatte ich wieder einen Firebird, und meine Erinnerungen und die Gefühle, die ich während meines USA – Aufenthaltes hatte, flammten wieder auf. Darüber hinaus drehten sich nunmehr „an Haufen mehr Köpf“ nach mir um, als mit dem Blauen in Amerika, was meinem Ego natürlich schmeichelte... ;o) Da fand ich es anfänglich auch nicht so schlimm, daß er zwei Töpfe weniger hatte, als mein Blauer.

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Obwohl „nur“ 6 Zylinder vorne drin waren, war ich doch überrascht, wie kernig er geklungen hat und auch das Fahrverhalten war im Stadt- und Landstraßenbereich durchaus spritziger, als es die geschriebene Leistung hätte vermuten lassen.

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Wie auf dem Gruppenbild oben zu sehen ist, wurden aus den 6 Töpfen allerdings bald darauf 14, um danach bei 8 Zylindern zu bleiben. Wie kam es nun dazu? Anfangs in den USA, nun erneut hier, wurde ich auf einige Firebird- / Camaro- / TransAm- Foren aufmerksam. In einem dieser Foren bekam ich mit, daß ein 89er Trans Am zu verkaufen sei. Ein richtiger Trans Am... Da war er wieder, der „Unvernunftsteufel“ und hat an mein Ohr geklopft. „Tu essss..... Tu esssss.....“. Warum schreib ich „Unvernunftsteufel“? Weil ich eigentlich nichts verkaufen kann und somit einige Zeit 3 Autos angemeldet hätte. Aber sei´s wie´s sei, in der Nähe von Eschwege tat sich eben diese Möglichkeit auf, einen richtigen Trans Am zu bekommen... Mit der „schöneren“ Front (bitte nicht hauen ;o) ) und einem V8 mit gleichem Hubraum wie drüben. Das war für mich wichtig, jedoch kann ich nicht genau beschreiben, warum. Vielleicht Sentimentalität. Noch dazu hatte er den TPI V8, also ein Einspritzer V8, der dann noch sparsamer sein würde, als drüben!!! Was wollte ich mehr?! Der Unvernunftsteufel wurde schließlich für einige Zeit zu meinem zweiten Ich, und so sind wir beide dann mit Kurzzeitkennzeichen in den Zug gestiegen und abends mit einem 1989er Trans Am an diesen Kennzeichen daran wieder zurück gekommen. Die Strecke von Nordhessen bis Bayern fuhr er mit einer Takfüllung, was meine Freude über das Auto nur noch steigerte. Allein abends die Heimfahrt auf dem Highway Autobahn... Zufällig überholte ich einen Dodge RAM, der einen Chevy Chevelle auf dem Hänger zog. Nun, wenn der Dodge und ich an diesem Tag je ein neues Auto überführten, dann konnte das nur ein gutes Zeichen sein! :o)

Das isser, der Trans Am.

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AS TIME GOES BY.... Der Trans Am ist mittlerweile nicht mehr in meinen Händen, dafür aber ein typgleicher 1988er Trans Am, ebenfalls mit dem 5-Liter-Einspritzmotor, ebenfalls mit Automatik, ebenfalls mit schwarzem Interieur, aber mehr gibts in einem eigenen Artikel.

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