No One Rides For Free

No One Rides For Free
Seit frühester Kindheit immer wieder mit US-Cars in Kontakt gekommen (meine Eltern waren mit Angehörigen der US Militärs befreundet) und durch die Serie ‚Detektiv Rockford – Anruf genügt!’ (Rockford fuhr verschiedene goldene Firebirds!) hab ich irgendwann meine Liebe zur zweiten Generation des Pontiac Firebirds entdeckt. Und natürlich musste es ein V8 sein mit möglichst viel Hubraum! Das war das oberste Gebot!
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so ein Feuervogel hinterläßt Spuren


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68er Firebird 400cui


Angefangen hat dann doch alles mit einem 1st Gen Convertible von 1968. Den hatte ich in Frankfurt Rödelheim entdeckt, stand schon länger zum Verkauf, etwas gehandelt und zugeschlagen.
Der 400er Motor mit seinen ca. 340PS hatte mächtig Wumms. Das elektrische Verdeck war nicht mehr allzu schön, das hab ich neu gemacht. Die Elektrik war auch sehr durcheinander, wie so oft bei den alten Bastelkisten. Aber alles kein dickes Problem.
Er hatte wohl eine scharfe Nocke drin, der Leerlauf hörte sich sehr danach an, immer kurz vorm Ausgehen, dieser unrunde Lauf ist einfach unschlagbar! Ich glaube, es gibt kein schöneres Geräusch!
Nach mühsamen, jahrelangem Aufpäppeln des doch etwas runtergekommenen Vogels hab ich mich dazu entschlossen, diesen zu doch verkaufen, zwar unter Tränen, als dieser unausweichlich vom Hof fuhr, aber Tränen wegewischt, hatte ich doch mein Augenmerk schon länger auf die 2nd Gen gelegt!
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Ausserdem hat den 68er ein Mädel gekauft und das fand ich richtig gut!
Inzwischen hatte ich auch einige Erfahrungen gesammelt über die Historie und vor allem Technik der schönen V8 Boliden! Dann fand ich mich also gewappnet für die Suche nach einem Banditen...so etwas geht natürlich nicht übernacht!

Zur Überbrückung legte ich mir einen 88er GTA mit 5.7l Hubraum in Flame Red zu. Ein wirklich genügsames, äußerst zuverlässiges Auto! Typisch 80er Jahre mit dem –wie ich finde- schicken Digi-Cockpit und der noch wunderschöneren Frontmaske. Trotz roter Außenfarbe sah ich überall die leuchtenden Kinderaugen, die den TA als K.I.T.T. erkannt haben. Sehr tolles Fahrzeug, hat Stil! Die Performance war natürlich auch nicht zu verachten!
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88er GTA


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red hot...


Aber ich wollte doch wieder ein älteres Auto und da faßte ich eine 2nd gen ins Auge, mit richtig Charakter und Style.

Im Sommer 2004 war es nun soweit, ich sah einen 79er TA mit dem ‚rustikalen’ und eigentlich fast unkaputtbaren 6,6l Oldsmotor in der Pfalz zum Verkauf stehen. Zwei Tage später hab ich ihn nach Hause gefahren, er war mein!
Der Zustand war grundsätzlich ok auf den ersten Blick. Da konnte man was draus machen!
Eigentlich wollte ich einen schwarzen SE (na klar!) oder einen goldenen, aber das 70er-Jahre-Porno-Braun-Metallic mit Namen „Heritage Brown“ Farbcode 69 ist relativ selten, aber nicht nur deshalb einfach klasse, es wirkt auf dem stattlichen Auto ganz besonders!
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so sah er aus als ich ihn holte


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mit Heckflügel und Cragarfelgen


Die Heimfahrt war schön, aber durch die schon in den USA montierten Sidepipes ein recht lautes Unterfangen. Mein Highlight war aber der Stop-and-go-Stau bei fast 40°C Aussentemperatur über die Geislinger Steige, die der alte V8 ohne zu zucken fröhlich blubbernd hochgetuckert ist, während so einige Neufahrzeuge den Hitzetod erlitten haben und überkochend sämtliche Parkbuchten bevölkerten. Ha! Was’n Spaß! Was natürlich auch an den zwei E-Lüftern lag, die für genügend Kühlung des Motors sorgten.
Ich war sehr froh, einen TA mit überschaubaren Makeln gefunden zu haben, die fürchterlichen Bastelbuden, die ich bis dahin angesehen und probegefahren hatte, liessen mich schon arg zweifeln, einen bezahlbaren aufzugabeln. Was einem so als Top-Zustand angepriesen wurde, war fast zum Weinen!

Nun zur voranschleichenden Restauration:

Als erstes musste in der gleichen Nacht noch der zusätzlich auf dem Kofferraumdeckel angebrachte Heckflügel (eher Bügelbrett) runter! Leider hinterliessen dieser und eine frühere CB-Antenne fünf grässliche Löcher, die ich erst mal notdürftig zugespachtelt habe, um später ordentlich geschweißt und lackiert zu werden.
Die nächsten Tage, Wochen verbrachte ich jede freie Minute mit putzen und polieren oben, unten, innen, im Motorraum, überall! Immer wieder fand ich schmutzige und moosige Stellen (er stand viel unter Bäumen!). Der Lack ist immer noch in erstaunlich gutem Zustand, zumal er nicht immer die beste Pflege hatte! Und durch mein unermüdliches Polieren glänz er wieder schön!

Die Dichtungen/Gummis sind zum Glück prima in Schuss, auch die der T-Tops.
Der erste Besitzer hier in Deutschland hatte, nachdem er ihn 1990 aus den USA importiert hatte, einiges Geld in das Auto gesteckt und u.a. die zerschlissenen Sitze erneuert. Aber alles in Originalzustand gehalten. Bis auf den zusätzlichen Spoiler, die Felgen und die Sidepipes. Meines Wissens hat der Wagen einige Pokale eingeheimst und war Titelbild auf der ‚Automobiles’.

Als der TA nach vielem Putzen endlich vorzeigbar war, ging’s in die Werkstatt meines Vertrauens um den Dicken komplett zu inspizieren und zu warten. Und siehe da: bis auf die längst schon fälligen Öle und Luftfilter schien alles soweit ok!
Nun mussten aber auch gleich die Sidepipes runter und durch eine originale GM-Doppelauspuff-Anlage ersetzt werden! Mit den Chrome-Tips am Ende sah er schon mal ein gutes Stück besser aus! Und der Sound! Einfach grandios! Glaubt mir das jemand, wenn ich sage, dass sogar die Abgase gut riechen??

Auf geht’s zur nächsten Aktion:
Die Headers mussten plangeschliffen werden und neue Dichtungen rein, da die Abgase nur so rauspfiffen, aber lässt sich ja machen, zwar mühevoll, aber es geht!

Inzwischen hat sich rausgestellt, dass die nachträglich verbaute Edelbrock Performer Spinne einen Riss hatte und die wurde zur neuen Saison 2005 wieder duch eine Edelbrock ersetzt, da Kleben/Kaltschweißen keinen Erfolg gebracht hatte. Der Edelbrock Vergaser, der darauf sass und gar nicht drauf paßte, wurde durch einen 600er Holley ersetzt. That works great!

Der Lack an den Zierleisten außen an Front- und Heckscheibe war schon fast komplett abgeblättert und wurde von mir mit einem Pad vom restlichen Lack befreit, entfettet, grundiert und neu schwarz lackiert. Eigentlich kein großer Akt und lohnt sich optisch allemal.
Neue extra eingemessene Lautsprecher kamen in die originalen Einbauschächte, denn aktuelle CD-Player erfordern auch up-gedatete Ausgänge, ne! Da fällt die Wahl zwischen V8 Blubbern und coolem Cruising-Sound manchmal schwer!

An einem trockenen Wintertag hab ich den TA nach fast drei Monaten Standzeit gestartet, um ihn für einen Kühlwasserwechsel warm zufahren. Zündschlüssel rumgedreht – zack! Sofort angesprungen! Was ein Schätzelchen! Dabei steht er in einer zwar trockenen, aber eiskalten, nicht frostgeschützten Garage! Was soll ich sagen, ich
l i e b e ihn!

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Mai 2005


So far – so good!

Meine im Herbst 2004 von Hitman aus den USA importierten komplett restaurierten goldenen 15x8" Snowflake-Rims und eine neue Bereifung kamen ebenfalls im Frühjahr 2005 drauf, die alten Cragar Felgen mußten aus optischen und Originalitäts- Gründen weichen!

Die vom Vorbesitzer golden lackierten Scheinwerferumrandungen und Grills wurden schon wieder in originales Schwarz umlackiert. Damit sieht der TA grimmiger aus!

Ein guter Tipp ist übrigens auch, die Batterie einfach mal rauszubauen und den Battery-Tray zu begutachten und gegebenenfalls auszutauschen, da die Batteriesäure einiges zerfressen kann! Bei mir war’s noch erträglich, habe ihn aber vorsorglich ausgetauscht.
Mittlerweile hab ich es auch zu einer originalen ‚Trunk Mat’ mit Padding drunter gebracht und eine neue Hutablage (‚Rear Seat Shelf’) in camel/tan hab ich eingebaut, da nur eine grau überzogene, für Lautsprecher zerschnittene Ablage vorhanden war.

Der Kofferraumdeckel wurde frisch lackiert (wegen der Löcher des Heckflügels) und eingebaut.
Dann mußte das Innenleben des Kofferraums dran glauben. Alles angeschliffen, entfettet und neu lackiert in Schwarz.
Ebenso der Motorraum, da dieser schon mehrere Farben hatte und nach 26 Jahren einfach einer Schönheitskur bedurfte. Nun, auch abgeschliffen, entfettet und neu in schwarz lackiert. Die Schächte vor der Windschutzscheibe wurden gereinigt und ebenso lackiert.
Eine zugegebenermassen echte Sch....arbeit! Aber es hat sich sowas von gelohnt!

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so sah es vorher aus


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neu lackiert


An den nächsten Regentagen ist die gesamte Innenausstattung rausgeflogen. Sitze von allen Seiten gereinigt, Teppich raus, Dämmwolle/Matten raus und durch neues Material ersetzt.
Zu meiner Freude sah der Boden aus, als ob der Wagen eben vom Band gerollt wäre - wunderbar!

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unter dem alten Teppich


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neues Dämmaterial



In der kommenden Winterpause werde ich das Fahrwerk angreifen und mit neuen Konis vorne, neuen Bushings und anderen Kleinigkeiten ausstatten. Dann wird der grosse Vogel wieder richtig straff auf der Strasse liegen!

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ein schöner Rücken


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August 2005


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Indian Summer...


Nun ist das Fahrwerk etwas überholt worden, die teilweise übel zerfressenen Buchsen durch neue originale Buchsen ersetzt und vorne neue Koni-Stoßdämpfer rein. Die Hijackers hinten bleiben erst mal als kultiges Relikt aus den Siebzigern drin, ich find die klasse, zumal ich die auch nur ganz wenig aufgepumpt fahre. Das Kurvenverhalten ist nicht das Beste, aber es soll ja auch ein Auto mit Charakter sein und keine Rennmaschine!
Die Kugelköpfe an der Lenkung wurden auch ersetzt, die waren schon etwas abgenutzt.

Zusätzlich wurden natürlich alle Flüssigkeiten getauscht, also Motor- und Getriebeöl und Bremsflüssigkeit.

Endlich habe ich auch die rot eingefärbten Standleuchten, bzw. Blinker vorne mit den originalen weissen Gläsern getauscht, nachdem ich diese seit über einem Jahr rumliegen hatte. Die Glühbirnen wurden orange eingefärbt.
Wenn ich mir überlege, was ich schon allein an Sünden der Vorbesitzer eliminieren mußte, hätte ich mir viel Arbeit gespart, wenn sich nicht jeder mit seinem manchmal merkwürdigen Geschmack oder auch handwerklichem Unvermögen einbringen würde, hätte es wohl sehr viel weniger zurückzubauen gegeben.
Aber was auch immer, es findet sich trotz technischen und optischen Verbesserungen immer wieder ‘ne Kleinigkeit hier und da, wo man sich spielen kann und das ist auch gut so!

Für den nächsten – hoffentlich nicht mehr sooo langen – Winter dachte ich mir, ich müsste mal den Unterboden erneuern. Der ist zwar zum Glück ohne Rost, aber der Unterbodenschutz hat Schäden und das würde ich gerne beheben.
Ausserdem möchte ich meine Aircondition wiederbeleben. Die wurde aus welchem Grund auch immer ausser Betrieb gesetzt.
Mal sehen, ob das was wird....

In den letzten Tagen hab ich die Innenausstattung nochmal ausgebaut und lackiert, wo's nötig war und vor allem hab ich in tagelang, bzw. nächtelang die goldenen SE-Streifen aussen auf dem Lack entfernt! Was soll ich sagen, viele Jahre lang von der Sonne eingebrannt, war das kein Spass. Leider hat es mir teilweise den Lack abgezogen, was wirklich sehr ärgerlich ist. Ich bin langsam aber sicher wirklich allergisch auf alles, was ich immer noch am Entfernen bin, was so im Laufe der Jahre leider auf/an das Auto kam.
Die Aktion, den alten, fleckigen Adler auf der Motorhaube zu entfernen, hab ich mir erspart, ich meine, der geht nur noch mit Sandstrahlen runter.
Nun muss der Lack erst mal komplett aufbereitet werden, damit ich sehe, ob ich den Trans Am nicht besser gleich zum Lackierer bringe. *grummel*


Für einen richtig proletigen 70er Jahre Auftritt habe ich den Trans Am eine originale schwarze Heckjalousie verpaßt. Die Jalousie ist zusammensteckbar und muss mit vier Halterungen unter den Fensterleisten festgesteckt werden. Hält bombig und sieht ein klein wenig rabiat aus ;)

Den Unterboden werde ich auch noch ausbessern, der ist zwar komplett rostfrei, aber hat ein paar Abplatzer und das möchte ich alles neu machen, damit von unten nichts mehr passieren kann. Aber momentan fehlt mir die Lust und Laune dazu.

Der original Lack von 79 bleibt auf alle Fälle erhalten, auch wenn er nicht mehr so schön ist, genau diese Farbe läßt sich mit Sicherheit nicht mehr rekonstruieren mit den heutigen Materialien, da der alte Lack ja ein Thermoplastlack ist und das wird heutzutage nicht mehr verwendet.
Zudem müßte die komplette Karosserie gestripped werden und das tu ich mir nicht an. Der Trans am ist fast 30 Jahre alt und hat eben auch ein paar Kampfspuren, das ist auch in Ordnung so!


Oktober


to be continued....

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